Martin Adler - Kommunikation - mit Liebe?
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der Begriff mit Liebe? mit Methode? Neuigkeiten Literatur Sprache Rhetorik und sonst?
  

   Liebevoll kommunizieren.

   Romantischer Kitsch?

Von "mit Liebe kommunizieren" oder "liebevoll kommunizieren" zu reden wird schnell als romantischer Kitsch verkannt. Besonders im geschäftlichen Umgang miteinander. Vielleicht hilft uns die Klärung des Begriffs Liebe:

Aufzählung Mitmenschen so zu behandeln, als ob sie mindestens den gleichen "Wert" wie ich haben
 
Aufzählung Mein Gegenüber respektvoll zu behandeln
 
Aufzählung Wertschätzend mit Menschen umzugehen
 
Aufzählung Echt zu bleiben
 
Aufzählung Einfühlsam auf mein Gegenüber einzugehen
 
Aufzählung Mit meinen Mitmenschen geduldig zu sein. Noch besser passt mir der früher übliche Begriff der "Langmut". Langmut schließt die Bereitschaft ein, den Anderen so sein zu lassen, wie er eben ist
 
Aufzählung Mit meinem Gegenüber barmherzig umzugehen. Das schließt ein, menschlich und konstruktiv mit Fehlern umzugehen
 
Aufzählung Zu erkennen, dass ich mich selbst oft viel leichter ändern kann als meine Mitmenschen
 
Aufzählung Offen und möglichst vorurteilsarm auf Menschen zuzugehen
 
Aufzählung Liebevoll ehrlich miteinander zu sein
 
Aufzählung Pünktlich zu sein. Wer Menschen unnötig warten lässt verplempert das wertvollste Gut seiner Mitmenschen: die Lebenszeit

Also ... gar nichts rosafarbenes (wie Verliebtsein) oder gar rotes (wie Erotik oder Sexualität) ist im Wort Liebe auffindbar. Somit sind Liebe und liebevoll wichtige und absolut seriöse Bezeichnungen im Umgang miteinander.

Reicht die Liebe?  

Meine Ansicht ist es, dass die meisten Kommunikationsaufgaben allein mit Liebe gelöst werden können. Die Methoden wie

Aufzählung Rhetorik, die Kunst zu reden
 
Aufzählung Dialektik, die Kunst zu überzeugen
 
Aufzählung Kinesik, die Körpersprache
 
Aufzählung Stimme / Sprechtechnik
 
Aufzählung Aufmerksamkeitsfördernd  präsentieren
 
Aufzählung Geschichten erzählen / Story Telling

sind klar auf Platz zwei gelandet. Lieblos angewandte Kommunikationsmethoden und -techniken werden kaum eine anhaltend positive Wirkung entfalten können. Der 1. Brief des Paulus an die Korinther Kapitel 13, Vers 1 in der Bibel im neuen Testament dokumentiert dazu:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

Andererseits vereinfachen liebevoll angewandte Methoden und Techniken das Umgehen miteinander. Sie lassen uns besser unsere Ziele erreichen. Sie helfen uns, uns selbst und unsere Gesprächspartner als Gewinner erscheinen zu lassen.

Eines meiner wenigen Vorbilder ist der Vorstandsvorsitzende der ERF Medien Deutschland e. V. in Wetzlar, Herr Jürgen Werth. Von ihm gibt es ein liebevoll geschriebenes Büchlein mit dem Titel ahaaa ... - Das kleine Buch vom Verstehen und Verstandenwerden. In diesem Büchlein beschreibt er eine mir wichtige Grundlage für gelingende Kommunikation:

  Was?
 
Wie genau?
 
 
  Erst hinschauen.

Dann lieb gewinnen.

Und erst dann sprechen.

Blickkontakt!

Wie oben beschrieben!

Im Evangelium des Markus in der Bibel im neuen Testament findet sich im 10. Kapitel, 21. Vers ein passendes Szenarium: ein junger Mann spricht Jesus an. Luther übersetzte als Reaktion:

Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: ...

   Selbstliebe, Nächstenliebe und Feindesliebe.

Das oben Beschriebene macht greifbar, was mit dem Wort Liebe gemeint ist. Immerhin taucht der Begriff in der Bibel über 250 Mal auf. Die Alltagstauglichkeit einiger Bibelstellen wird somit besser sichtbar.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.  

In den fast 1.500 Seiten der Bibel findet sich diese Anweisung so oder in ähnlichen Worten fast zehn Mal. Wer ist der Nächste? Der, der mir gerade eben gegenüber steht! Konkretisieren Sie das Wort "Liebe" mit Gleichwertigkeit, Respekt, Wertschätzung, Echtheit usw. werden Sie jetzt vielleicht sagen: "Das ist ja selbstverständlich!"

Der Satz "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." wird gerne dazu benutzt, den Mitmenschen ein schlechtes Gewissen zu bescheren. Er beinhaltet nach meinem Verständnis noch einen anderen, wichtigen Zusammenhang:

Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selbst liebst

Wenn du dich selbst nicht liebst, wird das mit dem Nächsten wohl nichts werden

Liebe dich selbst und genauso deinen Nächsten

Über diese Zusammenhänge stolpere ich oft, wenn Menschen nicht mit sich selbst klarkommen. Den gleichen Kummer haben sie in der Regel auch mit ihrer Umwelt.

   Liebt eure Feinde ...

Feinde sind ... Gegner! Menschen, die sich mit mir im Konflikt befinden, die mir oft nichts Gutes wollen. Was meinen Sie ... können Konflikte nicht besser bewältigt werden, wenn ich meinen Konfliktpartner respektvoll behandle? Sogar dann, wenn der Konfliktpartner ein rechter Fiesling ist? Lassen Sie es uns versuchen, schließlich muss einer ja anfangen.

   Liebe und Toleranz.

Nachdem die Worte Toleranz und Intoleranz inflationär benutzt werden, stellt sich die Frage: Was bedeutet eigentlich Toleranz genau? Toleranz ist ein Fremdwort und bedeutet laut Duden Duldung oder Duldsamkeit.

Etwas ausführlicher finde ich, dass ich dann tolerant bin, wenn ich eine Meinung oder Überzeugung ertrage, erdulde und/oder aushalte, die nicht meine eigene ist. Der Begriff Toleranz stammt vom lateinischen Wort "tolerantia" (Verb: tolerare) und bezeichnet "eine überindividuelle Tapferkeit im Ertragen von Übeln" (Evangelisches Staatslexikon). Tapferkeit bedeutet dabei das furchtlose Auftreten in einer Situation, verbunden mit einer eigenen Überzeugung und der Absicht, etwas Übergeordnetem zu dienen.

Aus diesen beiden Begriffserklärungen lassen sich wichtige Merkmale für Toleranz ableiten:

  1. Ich kann nur dann anderen Menschen gegenüber tolerant sein, wenn ich eine eigene Überzeugung habe
  2. Toleranz, z.B. in Glaubensfragen, bedeutet für mich hinzunehmen, dass der andere eine andere Auffassung vertritt
  3. Toleranz heißt für mich nicht, dass ich die Auffassung meines Gegenübers auch bejahen muss
  4. Auch wenn ich die Überzeugung des Mitmenschen nicht teile, achte ich in einer Haltung der Toleranz die Person und ihre Würde
  5. Dass ich mit einem Menschen unterschiedlicher Auffassung bin und dies kundtue, macht macht mich noch lange nicht zu einem intoleranten Menschen
  6. Bei der Toleranz geht es um die Art und Weise, wie ich meinem Gegenüber begegne und wie ich mein Gegenüber behandle

Klar, ohne die Liebe zu den Menschen wird es mir kaum gelingen, tolerant zu sein. Nötig ist es manchmal auch, couragiert einem Gegenüber meine eigene Meinung zu einem Thema zu verdeutlichen. Sehr wichtig finde ich, dass wir künftig aufmerksam und bereit zum Widerspruch sind, wenn wieder einmal unberechtigt von Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit die Rede ist.

   Lieblinge sind das Ende der Liebe.

Haben Sie dieses Zitat von Pestalozzi schon einmal gehört? Wir alle erinnern uns daran:

Aufzählung Der Chef hat ein Lieblingsprojekt in seiner Abteilung. Er vernachlässigt deshalb alle anderen Projekte und deren Mitarbeiter
 
Aufzählung Der Lehrer hat einen Lieblingsschüler in der Klasse. Egal, was die anderen Schüler tun oder leisten, sie sind bestenfalls zweite Wahl
 
Aufzählung Sicher fallen Ihnen zahllose weitere Beispiele ein ...

Diese Beispiele haben alle eines gemeinsam: alle, außer den Lieblingen, fühlen sich ungerecht behandelt, fahren motivationsmäßig in den Keller und ihre Loyalität wird stark abnehmen.

Denken wir also unbedingt daran: investieren wir unsere Liebe gerecht in die Menschen in unserer Umgebung.

Zitat von Meister Eckhart, Eckhart von Hochheim, 1260 - 1328, deutscher Theologe, Mystiker und Philosoph.  

Ein Weiser wurde gefragt, welches die wichtigste Stunde sei, die der Mensch erlebt, welches der bedeutendste Mensch, der ihm begegnet, und welches das notwendigste Werk sei. Die Antwort lautete:

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.

Noch Fragen? eMail an Martin Adler!

 

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